Hingucker des Monats:
Von wegen, hier wächst nichts
Nach einer langen Wüstenreise in der Oase Siwa anzukommen ist, als wäre man urplötzlich Teil einer Fata Morgana geworden. Kein Wunder: Die größtenteils von Berbern bewohnte Oase inmitten der Libyschen Wüste ist ein Ort der Fruchtbarkeit und des Überflusses. 300.000 Dattelpalmen spenden hier Schatten, dazu 70.000 Olivenbäume. Und das ist längst noch nicht alles an Grün, was Siwa zu bieten hat. Denn rund um die auf der ägyptischen Seite der Wüste gelegene Oase erstrecken sich riesige Plantagen, auf denen Trauben, Feigen und Zitrusfrüchte kultiviert werden.
Für deren Bewässerung sorgen die zur Oase gehörenden Wasserfälle. Dass es solche inmitten der kargen Umgebung überhaupt gibt, ist ein echtes Phänomen! Der blühende und wasserreiche Ort inmitten der Einöde zog denn auch, wen wundert’s, bereits vor mehr als 2.400 Jahren Besucher aus der Fremde an: So soll Alexander der Große, als er hier Station machte, von dem in der Oase befindlichen Orakel als König der Griechen bestätigt worden sein. Als wichtiger Knotenpunkt für den Handel sah die Oase viele berühmte Besucher kommen und gehen – darunter auch "Wüstenfuchs" General Rommel –, seinen Charme und seine Ursprünglichkeit aber hat sich dieser einzigartige Ort stets bewahrt. Siwas Reiz erklärt sich vor allem durch die Kontrastwirkung. Wer hier ankommt, hat tagelang nichts anderes erblickt als Sand und Geröll, so weit das Auge reicht. Siwa hingegen ist bunt, laut und quirlig, ein Symbol für den Überfluss. Mag es auch eben diese Eintönigkeit sein, die echte Wüstenfans vom Schlage eines Antoine de Saint-Exupéry, Thomas Edward Lawrence oder Howard Carter süchtig nach dieser Region der Welt macht: In Siwa anzukommen ist, wie das Ende einer langen Reise erreicht zu haben, und das Rauschen der Palmenwedel im Wind klingt nach der absoluten Stille der Wüste fast schon wie Musik.
Perfekt, um Siwas Reiz auf sich wirken zu lassen, ist das "Adrère Amellal". Das in eine landestypische Berberfestung integrierte Hotel wirkt auf den ersten Blick eher karg, ja fast spartanisch, bietet aber überraschend viele Annehmlichkeiten. Die 40 Zimmer sind rustikal, jedoch äußerst gemütlich eingerichtet und damit ideal für alle, denen eine Übernachtung in einem Berberzelt zu unbequem ist. Zu den unvergesslichsten Augenblicken eines Aufenthaltes zählt ein Bad im Pool, von dem aus man den Blick über die schroffen Felsriffe streifen lassen kann. Oder man lauscht nachts auf der Terrasse bei einem Glas starkem Pfefferminztee den fremdartigen Geräuschen der Wüste und genießt den unvergleichbaren Sternenhimmel.
http://adrereamellal.net/index2.html


